Andreas Gärtner
Wenn Hermann Gärtner über seinen vor zehn Jahren im Alter von 38 Jahren verstorbenen Sohn Andreas redet, dann schwingt ein wärmendes Gefühl in seiner Stimme. „Andreas war ein ganz, ganz lieber Mensch“, sagt Gärtner über seinen schwerst behinderten Sohn.
Von dessen Geburt am 7. Februar 1959 an leidet der Junge an „Hydrocephalus“, umgangssprachlich als Wasserkopf bezeichnet. Wegen dieser angeborenen Fehlbildung des Gehirns wird Andreas Gärtner bereits in seinem ersten Lebensjahr dreimal in Göttingen operiert. Doch Hoffnung gibt es keine, die Krankheit ist unheilbar.
Die Gärtners wohnen seinerzeit in Minden-Dützen und müssen feststellen, „dass es für Behinderte überhaupt keine Einrichtungen gibt“, wie Hermann Gärtner bedauert.
So kümmern sich die Eltern selbst um ihr krankes Kind. „Die Last eines behinderten Kindes trägt immer die Mutter“, sagt der heute 74-Jährige, der vor 43 Jahren gemeinsam mit Wilhelm Fahrenkamp das Unternehmen „porta Möbel“ gründet. In der Woche übernimmt Mutter Margarete die Betreuung des geistig behinderten Sohnes. An den Wochenenden ist Vater Hermann bei seinem „Andy“.
Andreas Gärtner entwickelt sich seiner Krankheit gemäß zunächst ordentlich, lernt mit drei Jahren Laufen, geht in den Kindergarten Dützen. Doch dort bleibt er die meiste Zeit für sich allein. Der Junge musiziert gerne am Klavier, übt im Stehen die Lieder aus dem Radio ein. Außerdem spielt er für sein Leben gerne mit LEGO Steinen. Die Probleme beschreibt Hermann Gärtner plastisch: „Er konnte nicht allein wieder aufstehen, wenn er hingefallen war. Sein Kopf war einfach zu groß und zu schwer.“
Die Schwierigkeiten werden mit zunehmendem Alter des Sohnes größer, der Zeitaufwand für die Pflege nimmt zu. „Wir führten ein einsames Leben. Wir konnten nie das tun, was unsere Freunde taten“, so Hermann Gärtner. Er erkennt, dass es vielleicht anderen Familien mit ähnlichen Schicksalen genauso geht wie ihnen und gründet 1968 gemeinsam mit anderen die Spastikerhilfe Bad Oeynhausen.
Im Alter von vierzehn Jahren verkrümmt sich Andreas Gärtners Rücken, er muss nach mehreren Operationen in den Rollstuhl. Nach dem Umzug nach Barkhausen bauen die Eltern 1976 an ihr eigenes Haus noch ein Behinderten gerechtes zweites Haus an, in dem Andreas Gärtner lebt. Das Pflegerpaar Vogt vom Wittekindshof hilft den Gärtners bei der Betreung ihres Kindes.
Elf Jahre später ist der Pflegeaufwand in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich. „Wir haben Andreas schweren Herzens zum Wittekindshof gebracht. Dort ist er sehr, sehr gut aufgenommen worden“, lobt Gärtner.
Weitere elf Jahre lebt Andreas Gärtner in seinem neuen Zuhause, ehe er am 5. Januar 1998 im Bad Oeynhausener Krankenhaus stirbt.
1993 erhält Hermann Gärtner als Anerkennung für seine Verdienste um die Spastikerhilfe Bad Oeynhausen, deren Vorsitzender er sechzehn Jahre lang ist, das Bundesverdienstkreuz.
Aus Dankbarkeit für diese Ehrung ruft er die Andreas Gärtner-Stiftung ins Leben.



